Turin

Tu|rin:
italienische Stadt.

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Turin,
 
italienisch Torino,  
 1) Hauptstadt der Provinz Turin und der Region Piemont, Italien, 239 m über dem Meeresspiegel, an der Mündung der Dora Riparia in den Po, 909 700 Einwohner, viertgrößte Stadt und nach Mailand zweitgrößtes Industrie- und Handelszentrum Italiens; Erzbischofssitz; Universität (gegründet 1404), TH, Akademie der Wissenschaften, wissenschaftliche Institute, Musikhochschule, Kunstakademie, Museen und Galerien (u. a. naturwissenschaftliche Sammlungen und Automobilmuseum), Bibliotheken, mehrere Theater, Oper, botanischer und zoologischer Garten, zahlreiche Sportstätten, Autorennstrecke. - Der frühen industriellen Entwicklung dank Wasserkraftwerken an der Dora Riparia (Waffenfabriken, Tabakmanufaktur) folgte mit FIAT (seit 1899) die Autoindustrie (heute die größte Italiens). Turin hat dank weiterer Großindustrien die größte Arbeiterkonzentration Italiens; Stahlwerk, Eisenbahn- und Flugzeugbau, elektronische und elektrotechnische, mechanische, feinmechanische, Schreibmaschinen-, Landmaschinen-, Autoreifen-, chemische, pharmazeutische, Bekleidungs-, Nahrungs- und Genussmittelindustrie; bedeutende internationale Messen (u. a. Autosalon und Bekleidungsmesse); internationaler Flughafen. Hafen für Turin ist Savona.
 
 
Die Stadt breitet sich auf der ebenen linken Seite des Po aus, gegenüber dem dicht an den Fluss tretenden Hügelland von Monteferrato mit dem isolierten Monte dei Cappuccini (284 m über dem Meeresspiegel, mit Kapuzinerkloster). Auf dem rechten Ufer liegen die Vororte Cavoretto, Rubatto und Borgo Po. Die geradlinigen, sich rechtwinklig kreuzenden Straßen der römischen Stadt (erhalten sind Reste des Amphitheaters und die restaurierte Porta Palatina, beide 1. Jahrhundert n. Chr.) blieben für die spätere Stadtanlage maßgebend. Aus Mittelalter und Renaissance sind nur wenige Bauten erhalten (u. a. der Dom San Giovanni Battista, 1491-98). Mit der Stadterweiterung seit dem 17. Jahrhundert wurden auch einheitlich gebaute Häuserzeilen (zum Teil mit Laubengängen) angelegt; im Gegensatz dazu stehen die Kirchen und Paläste des Barock, v. a. im Zentrum im Umkreis der Piazza Castello und der nördlich angrenzenden Piazza Reale: Palazzo Madama (auch Castello d'Acaja, ursprünglich ein römisches Tor, im Mittelalter Kastell, Erweiterungen 1718-21 mit Fassade und Treppenhaus von F. Juvarra; heute Museo Civico), Palazzo Reale (Königliche Palast, 1646 begonnen; mit Prunkräumen, Rüstkammer und Bibliothek; bei einem Brand 1997 schwer beschädigt) und die beiden von G. Guarini erbauten Paläste Palazzo Carignano (1679-85, Museo Nazionale del Risorgimento) und Collegio dei Nobili (auch Palazzo dell'Accademia delle Scienze, 1679; mit archäologischem Museum, ägyptisches Museum und der Gemäldegalerie »Sabauda«). Der Zentralbau von San Lorenzo (seit 1634) wurde um 1668-80 von Guarini umgebaut (1687 vollendet), die an den Dom angebaute Cappella della Santa Sindone (birgt das Turiner Grabtuch) nach seinen Entwürfen 1694 vollendet, nach Guarinis Entwürfen auch das Santuario della Consolata (1678-1703; Innenausstattung von F. Juvarra, 1714; 1903/04 verändert); ebenfalls von Juvarra: Santa Maria del Carmine (1732-36) sowie die auf einem Hügel oberhalb der Stadt liegende Basilika Superga. Die von Arkaden gesäumte Piazza San Carlo (Anlage des 17. Jahrhunderts) wird im Süden von zwei kleinen Barockkirchen, San Carlo und Santa Cristina, flankiert. Wahrzeichen der Stadt ist die Mole Antonelliana (1863 begonnen), ein spätklassizistischer Zentralbau, von Alessandro Antonelli als Synagoge geplant, 1878-90 turmartig (167 m hoch) ausgebaut, sie beherbergt seit 1997 ein Filmmuseum. Die Galleria Civica d'Arte Moderna wurde 1952 errichtet. Im Süden der Stadt erstreckt sich am Po ein großer Park mit dem Castello del Valentino (Mitte 17. Jahrhundert), dem botanischen Garten (1729 gegründet) und dem Ausstellungsgelände (mit Bauten von P. L. Nervi, Alberto Sartoris u. a.). In einem Industrievorort das von Giacomo Matté Trucco 1914 konzipierte und 1919-26 gebaute FIAT-Werk Lingotto, das 1982 stillgelegt und 1989 ff. von R. Piano zu einem Kultur- und Wissenschaftszentrum umgebaut wurde. - In der Umgebung von Turin liegen die ehemalige Benediktinerabtei Sacra di San Michele sowie das Schloss Stupinigi.
 
 
Turin, als Taurasia Hauptort der ligurischen (keltischen oder keltisierten?) Tauriner, wurde unter Augustus als Augụsta Taurinorum römische Kolonie. Im 6. Jahrhundert wurde es Mittelpunkt eines langobardischen Herzogtums, dann einer fränkischen Grafschaft, im 10. Jahrhundert der Markgrafschaft Turin (bis Ende 11. Jahrhundert). Im 12. Jahrhundert waren Kommunalregierung, Kaisertum, die Bischöfe und die Grafen von Savoyen entscheidende Machtfaktoren in Turin; Letztere festigten ihre Herrschaft endgültig 1280 und machten, 1416 zu Herzögen aufgestiegen, Turin im 15. Jahrhundert zum Regierungs-Zentrum in Piemont, 1560 - nach französischer Besetzung 1536-59 - zur Hauptstadt des Herzogtums Savoyen. Das von den Franzosen im Spanischen Erbfolgekrieg belagerte Turin wurde am 7. 9. 1706 durch Prinz Eugen und Fürst Leopold von Anhalt-Dessau befreit. Nach der napoleonischen Zeit wurde Turin Mittelpunkt des Risorgimento; 1861-65 war es Hauptstadt des Königreichs Italien.
 
 
P. Gaberet: T. Ville industrielle (Paris 1964);
 
Torino nel basso medioevo. Castello, uomini, oggetti, hg. v. S. Pettenati, Ausst.-Kat. (Turin 1982);
 
Torino fra liberalismo e fascismo, hg. v. U. Levra (Mailand 1987);
 M. Knapp-Cazzola: T. Das Insider-Lex. (1993).
 
 2) Provinz in Italien, in der Region Piemont, 6 830 km2, 2,22 Mio. Einwohner.
 

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Tu|rin: italienische Stadt.

Universal-Lexikon. 2012.

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